Der Wert von geretteten Lebensmitteln

An Lebensmitteln mangelt es in westlichen Ländern nicht, es gilt nur nach wie vor: Es ist unzureichend verteilt. Während die einen essbare Waren wegwerfen, hungern die anderen. Organisationen, die beide Seiten zusammen zu bringen, gibt es einige. In Deutschland sind es die Tafeln, in England heißt die größte »FareShare«.

Sie verteilt Essen an 10.000 Hilfsorganisationen und lokale Initiativen und hat jetzt eine Studie veröffentlicht. Die Autoren der Untersuchung wollten eine Antwort haben auf die Frage, wie groß der »sozio-ökonomische Impact« der geretteten und gespendeten Lebensmittel ist. Ihr Ergebnis: 51 Millionen Pfund pro Jahr, umgerechnet 58 Mio Euro.

Der
mit Abstand größte Teil dieser Summe, nämlich 44 Millionen Pfund, setzt sich
zusammen aus Ersparnissen des Staates. Weil Bedürftige mit dem Essen besser
über die Runden kommen, als wenn sie sich alleine versorgen müssten, muss die
Solidargemeinschaft, ergo: der Steuerzahler, weniger für u.a. medizinische
Leistungen und das Justizsystem ausgeben. Und das mit gerade mal 5 Prozent der
verfügbaren, nicht mehr benötigten Lebensmittel. Mehr wird momentan gar nicht
verteilt, so FareShare.

Nun
muss man solche Zahlen mit Vorsicht genießen. Der Zusammenhang zwischen einer
nicht erhaltenen Mahlzeit und einem deswegen notwendigen Arztbesuch lässt sich
nicht eindeutig beziffern. Aber FareShare lenkt die Aufmerksamkeit auf einen
interessanten Punkt. Wenn es gelingt, den Wert der verteilten Essens-Spenden
präzise zu benennen, könnten Investoren in das Geschäft einsteigen.

Das nennt sich »Social Impact Bond« und funktioniert so: Private Geldgeber finanzieren das Verteilen von Lebensmitteln und skalieren es auf eine bisher nicht erreichte Größe. Und wenn sie nachweislich erfolgreich sind im oben beschriebenen Sinne – und nur dann! – erhalten sie vom Staat eine Rendite, die kleiner ausfällt als die Kosten, die er sonst hätte. Das Modell wird vor allem in England getestet – mit durchaus interessanten Ergebnissen.

(Dieser Text ist zuerst bei Piqd erschienen)

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