Hungrige neue Welt

Für die neue Ausgabe des »Stern« habe ich einen Text über Digitalisierung und Nachhaltigkeit geschrieben. Es geht darin vor allem um den Daten- und Energiehunger, den das vernetzte Leben und Arbeiten nach sich zieht. Was sich zu einem immer größeren Problem entwickelt, denn in Deutschland und vielen anderen Ländern produzieren viele Kraftwerke ihren Strom noch mit fossilen Rohstoffen.

»Stern« 45/2018

Natürlich gibt es aber auch Menschen, die davon profitieren, dass wir immer mehr Rechenoperationen in die »Cloud« auslagern, Smartphones kaufen, über Spotify Musik hören und über Netflix Serien sehen. Einen davon habe ich in Frankfurt am Main getroffen, Béla Waldhauser, er ist der Chef der Telehouse Deutschland GmbH. Telehouse betreibt eines der größten deutschen Rechenzentren, und sich das vor Ort anzuschauen, ist weniger spektakulär als ich mir das zunächst vorgestellt hatte. Zwar ist alles doppelt und dreifach gesichert. Wer hinein will, muss an unzähligen Kameras vorbei und eine Scannerkarte und einen zusätzlichen Code haben, und selbst der elektronische Schlüssel des Geschäftsführers verliert seine Gültigkeit nach 24 Stunden wieder; er braucht jeden Morgen einen neuen Zugang. Aber sonst: alles sehr nüchtern und unscheinbar. Aufregend und bunt blinkend war da nichts. Nicht mal in den Serverräumen.

Interessanter ist es, zu erfahren, in welch ambivalenter Welt Betreiber von Rechenzentren arbeiten. Zum einen müssen sie darauf aus sein, so viel Strom zu sparen wie möglich. Allein die Hälfte des beanspruchten Platzes geht für die Energie-Infrastruktur drauf, also für die Versorgung, die Transformatoren, die Diesel-Dieselmotoren und die Kühlung der Server. Je weniger das alles kostet, desto wettbewerbsfähiger sind sie. Andererseits wollen sie so viele Kunden wie möglich anziehen und treiben damit den Gesamtbedarf mit nach oben. Was Jahr für Jahr passiert. »Wir wachsen jährlich um 25 Prozent«, sagt Béla Waldhauser von Telehouse. »In unserer Branche herrscht Goldgräberstimmung.« Mit dem Ausbau kommt er kaum hinterher, das neueste Rechenzentrum, das er bald für 36 Millionen Euro auf seinem Gelände errichtet, war zu einem Drittel schon vermietet, bevor er die Baugenehmigung in der Tasche hatte.

Und: In Deutschland sind die Strompreise vergleichsweise hoch. Das bremst die Nachfrage. In anderen europäischen Ländern wachsen die Rechenzentren mit 30, 40 oder mehr Prozent. Pro Jahr.

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