Wie ein Unternehmer kostenloses Wasser aus der Nische holen will

Gestern ist die Wasser-App »Tap« gestartet. Die Idee dazu kam Samuel Ian Rosen als er am Flughafen 5 Dollar für eine Evian-Flasche zahlen musste und die Suche bei Google Maps ihm keine öffentlich zugänglichen Wasserhähne oder Trinkbrunnen anzeigte, um seine Flasche aufzufüllen. Also gründete Rosen die Firma Tap Projekts Inc., damit man jederzeit und überall eine Möglichkeit findet, frei verfügbares Wasser zu zapfen. »Unser Team hat eine Mission: die Erde und die Menschen auf ihr zu retten«, erklärte der Vorstandschef.

Dass er online keine Alternative zu seiner Idee fand, wie er behauptet, kann nicht stimmen. Es gibt mindestens zwei weitere Apps, nämlich »Refill« und »We Tap«, die das gleiche Ziel verfolgen. Auch sie wollen mit ihrer Daten-Dienstleistung dazu beitragen, dass der Plastikwahnsinn ein Ende findet. Eine Million Flaschen aus Plastik werden weltweit pro Minute ja mutmaßlich verkauft und landen kurze Zeit später im Müll. Fachgerecht recycelt werden nur die wenigsten.

Ist das, was Rosen erzählt, also nur Marketinggerede? Weil die Idee nicht neu ist, er sie bloß kopiert und jetzt im Rampenlicht stehen möchte? Sicher. Aber das muss nicht schlecht sein.

Denn: Die Verbreitung der Apps kommt bislang nur langsam voran. »Refill« hat es in England zu einiger Bekanntheit geschafft (für London werden einem 900+ Stationen angezeigt), ist in den USA aber nicht existent (NYC: 2; Seattle: 1; Los Angeles: 0) und Deutschland tut sich auch noch schwer (Hamburg: 53; München: 50; Berlin: 10). »We Tap« scheint schon weiter zu sein (die exakte Zahl der regionalen/lokalen Wasserstationen werden einem nicht angezeigt), angesichts der Gründung vor bereits zehn Jahren muss man aber leider auch hier feststellen, dass einem die Idee und die App im Alltag nicht über den Weg laufen.

Samuel Ian Rosen, 33, will das mit »Tap« ändern. Nach eigener Aussage ist er gestern mit 34.000 Stationen in mehr als 30 Ländern gestartet (Deutschland gehört noch nicht dazu) und will schnell wachsen – mit seinem Netzwerk von Influencern, Promis, Unternehmern, Markenpartnern und dem kursierenden Hashtag #drinkdifferent, wie er sagt. Rosen hat zuvor MakeSpace gegründet, ein Selfstorage-Unternehmen, und dafür 60 Millionen US-Dollar Risikokapital einwerben können. Seine neue Firma soll ebenfalls For-Profit sein, und zu seinen Plänen gehört es, Investoren zu gewinnen, Werbung, Produktplatzierungen und Affiliated Marketing in seine Wasser-Karten zu integrieren oder das Angebot auf andere Getränke als Wasser auszuweiten.

Das wird nicht jedem Aktivisten schmecken, der daran arbeitet, Auffüllstationen populärer zu machen. Aber sollte Rosen beweisen, dass er mehr als Marketing drauf hat – was seiner Konkurrenz fehlt –, könnte das der richtige Weg sein, um die Idee endlich aus der Nische zu holen.

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