Arbeit

Ich schreibe, moderiere und halte Vorträge, konzipiere und produziere Magazine, lektoriere Bücher. Hier ist eine Auswahl meiner Arbeiten.


»Donner. Wetter. Klima.« haben die Herausgeber ihr neues »Kursbuch« betitelt, und eigentlich sind sie bei ihren Planungen, die schon vor Monaten angelaufen waren, von der Corona-Pandemie überholt worden, wie sie im Editorial erklären. Letztlich hat es sich dann aber doch gut gefügt, wie das bei solchen Produktionen häufig der Fall ist – das Thema dieser Ausgabe jedenfalls passt tatsächlich perfekt zu dieser Zeit. Denn Corona zwingt uns ja, mit nochmal verändertem Blick auch auf die zunehmende Klimaerhitzung zu schauen. Neben Texten von u.a. Franz Josef Radermacher (über verpasste Chancen bei den Klimakonferenzen), Peter Unfried (über die begrenzte Wirksamkeit grüner Bewegungen), Jörg Staude und Joachim Wille (»Corona: Wie die Politik den Klimaschutz vermasselt«), Armin Nassehi (»Was heißt, auf die Wissenschaft zu hören?«) und Berit Glanz (»Vom Verlust sinnlicher Erfahrungen in der Klimakatastrophe«) habe ich einen Beitrag über den neuen Schulterschluss von Digitalisierung und Klimawandel geschrieben. Darin weise ich unter anderem darauf hin, dass beide Entwicklungen erst seit erstaunlich kurzer Zeit zusammen betrachtet werden – obwohl wir ohne digitale Technologien (fast) nichts über das Klima wüssten. Klimaforschung ist auf digitale Aufzeichnungen und Hochleistungsrechner angewiesen, um Analysen zur Vergangenheit und Projektionen für die Zukunft veröffentlichen zu können – auf die dann wiederum sowohl die Politik als auch Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Gruppen wie »Fridays for Future« reagieren. Die positiven wie negativen Wechselwirkungen zwischen Digitalisierung und Klima/Nachhaltigkeit kommen erst jetzt langsam in den Fokus der Öffentlichkeit. Hier kann man die Ausgabe bestellen.


»Wie nutzen wir die gute Seite der Digitalisierung und schützen uns vor schlechten?« Diese Frage hat mir Bastian Wilkat in seinem Podcast »Deutschland nach Corona« gestellt, und natürlich kann jeder Versuch einer Antwort nur zu kurz greifen, weil das Thema zu groß ist. Aber wir haben uns eine gute halbe Stunde lang über die aktuell größer werdende Nachfrage nach Robotern unterhalten, über digitale Plüschrobben in Pflegeheimen, Jobs, die – womöglich – jetzt wegfallen, Tech for Good und dass es bei allem auch eine Verbindungslinie zu nachhaltigen Themen und dem Klimawandel gibt. Die Shownotes zu der Folge findet man auf dieser Seite und schriftlich ausgeführt habe ich ein paar der Gedanken auch in diesem Blogpost, einem Beitrag zur Blogparade des Projekts Algorithmenethik der Bertelsmann Stiftung.


Die Städte sind dicht und trotzdem ist der Andrang weiter groß. Viele Menschen wollen dort leben, wo andere schon sind. Nur woher sollen die Wohnungen dann kommen? Wie sehr muss man zusammenrücken und sich einschränken, finanziell wie räumlich, damit es für alle gerecht ist? Für den »stern« habe ich zwei Geschichten geschrieben: eine, in der es um den Konflikt geht, der aus der Urbanisierung entsteht und wie man diesen durch bessere, präzisere Kommunikation lösen kann (Digitalisierung kann hier helfen); und eine über eine Familie, die im Hamburger Zentrum zu viert auf vergleichsweise wenig Platz lebt, sich aber bewusst dafür entschieden hat, die Nachteile akzeptiert und die Vorteile genießt. Teil eins der Geschichte ist hier zu lesen, Teil zwei kann man hier finden.


Für die 200. Ausgabe der Kulturzeitschrift »Kursbuch« baten mich die Herausgeber Peter Felixberger und Armin Nassehi um einen Beitrag. Die Leitfrage: Wie sieht zeitgemäßer Widerstand im 21. Jahrhundert aus? Welche Formen wählt er, wo zeigt er sich, wie konfrontativ oder subtil muss er sein, um seinen Zielen näher zu kommen? Meine Reportage »Bambule!« ist Teil einer Städte-Trilogie, die sich mit Protest-Akteuren in München, Berlin und – das war mein Part – Hamburg befasst. Vier Menschen habe ich besucht: André Mücke, Interims-Präses der Handelskammer und Teil der »Kammerrebellen«; Andreas Blechschmidt, linksautonomer Aktivist und Teil der besetzten Roten Flora; Sieghard Wilm, Pastor auf St. Pauli, der versucht, angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung auch in seinem Viertel sprechfähig für alle Seiten zu bleiben; und Gerrit Braun, Co-Gründer des »Miniatur Wunderlands«, der in seiner Heile-Welt-Ausstellung immer wieder gezielte Nadelstiche der nicht-nachhaltigen Realität platziert und seine Gäste damit verstört. Zu Armin Nassehis Editorial, in dem er die »Revolte 2020«-Ausgabe vorstellt, geht es hier lang.


Vorschau-PDFIn Deutschland ist sozialer Aufstieg immer noch sehr von der Herkunft abhängig, kurz gesagt: Die Kinder vermögender Eltern haben bessere Chancen auf einen guten Job als die von Geringverdienern. Ihnen wird das notwendige Wissen früh mitgegeben, sie bekommen leichter Zugang zu den einflussreichen Hochschulen, finden Anschluss in den notwendigen Netzwerken. Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) versucht, dem entgegenzuwirken. Die Gemeinschaftsinitiative bemüht sich mit Partnern aus der Wirtschaft darum, mit Stipendien Bildungs- und Chancengerechtigkeit herzustellen und auch Exzellenz zu fördern. Zu ihrem 25. Jubiläum im Jahr 2019 habe ich ein knapp 100-seitiges Magazin konzipiert und produziert, das zur Hälfte Gastbeiträge der sdw-Alumni und zur Hälfte weitere Interviews und Beiträge enthält. Es geht, unter anderem, um die Zukunft des Stiftungswesens, Neues Arbeiten, Soziales Unternehmertum, Führungsverantwortung in der Schule, Scheitern, Digitalisierung und Generationengerechtigkeit. Die Art Direktion lag bei Dagmar Nothjung, die Bildredaktion hatte Maja Metz übernommen. Wer ein gedrucktes Exemplar bekommen möchte, kann sich hier an die sdw wenden. Einen Auszug gibt’s hier als PDF zu sehen.


Im Kern funktioniert Ecosia.org wie viele andere Suchmaschinen auch. Man gibt einen Begriff in die Maske ein, haut auf Return und erhält seine Ergebnisse. Alles andere macht Ecosia anders. Das Berliner Unternehmen berichtet offen über seine Finanzen, beschäftigt einen »Chief Tree Officer«, steckt 80 Prozent seines Gewinns in das Pflanzen von Bäumen gegen den Klimawandel – und gehört sich inzwischen selbst. Gründer Christian Kroll hat entschieden, die klassischen Eigentumsverhältnisse so zu ändern, dass es nicht mehr von externen Investoren übernommen werden kann. Mit Hilfe einer Stiftung hat er sein Unternehmen in das sogenannte »Verantwortungseigentum« überführt. Er will, dass der Unternehmenszweck auf ewig festgeschrieben ist und nur noch Menschen über die Geschicke bestimmen dürfen, die operativ mitarbeiten. Kroll ist das prägnanteste Beispiel einer noch jungen Bewegung, die diesen Weg geht – allerdings schließen sich immer mehr nachhaltige Start-ups und mittelständische Unternehmen an und wandeln ihr Eigentum um. Für den »stern« habe ich Kroll, der auf Millionen verzichtet, und Ecosia porträtiert und das progressive Konzept vorgestellt. Hier kann man den Text lesen.


Der Begriff der Nachhaltigkeit ist alt, und die Digitalisierung ist auch schon länger bekannt. Zusammen betrachtet werden beide Megatrends aber bislang kaum. Das Verständnis dafür, dass die Digitalisierung eben nicht alles dematerialisiert, sehr wohl Ressourcen verbraucht und viel (fossile) Energie benötigt, ist noch nicht weit verbreitet. Erste Bücher und Berichte in überregionalen Medien befassen sich damit, aber viele sind es noch nicht. Die Digitalkonferenz re:publica hat sich 2019 verstärkt dem Thema gewidmet und ich habe eine Diskussionsrunde zu der Frage moderiert, welche Probleme es gibt und welche Chancen die Digitalisierung für die globale Klimaschutzbewegung bietet. Denn klar ist: Ohne Instagram und WhatsApp wäre Fridays for Future nicht möglich. Meine Gäste waren: Maja Göpel (WBGU), Jochen Flasbarth (BMU) und Lucia Parbel (Fridays for Future).


Als »Ablasshandel« wird die CO2-Kompensation von Umweltschützern regelmäßig bezeichnet, und das ist in der Regel auch wertend gemeint. Präziser: Die Chance, sich über Portale wie Atmosfair.de von seiner Emission des schädlichen Klimagases freizukaufen, halten sie für ein bigottes und verlogenes Instrument. Vielmehr, so die Kritiker, müsse es darum gehen, gar kein Kohlendioxid mehr zu produzieren, weniger zu fliegen, weniger Auto zu fahren, weniger Fleisch zu essen. Franz Josef Radermacher hält letzteres auch für richtig – antwortet den fundamentalen Aktivisten aber zudem, dass wir die CO2-Kompensation sehr wohl brauchen, und zwar in großem Maßstab. So könne man die Wirtschaft in Ländern des ärmeren Südens unterstützen und zugleich das Klima schützen. Die Bundesregierung und die Staatengemeinschaft sollten alles daran setzen, diesen Weg bekannter zu machen, und er plädiert wissenschaftlich fundiert dafür, dass gerade Vermögende einsteigen und ihr Geld in die Kompensation stecken sollten. Es käme sie vergleichsweise billig und könnte ein Weg sein, ihren Lebensstil nicht aufgeben zu müssen in der Zukunft, wenn der Klimawandel weiter voranschreitet und womöglich strengere Regulierungen und Verbote greifen. Für den Murmann-Verlag habe ich das Manuskript des Autoren lektoriert. Das Buch kann man hier einsehen und kaufen.


Die DVD ist zu einem Klassiker der angeblichen Dematerialisierung geworden. Die Erzählung geht so: Weil man Filme und Serien jetzt streamen kann, entfällt die Herstellung von physischen Datenträgern ebenso wie die Fahrt zur Videothek. Es werden keine Ressourcen verbraucht und kein CO2 ausgestoßen, und weil man zu Hause Ökostrom bezieht, ist alles sauber und grün. Oder? Leider nicht. Auch die scheinbar dematerialisierte Welt hat eine materielle Basis, und der Strom- und Ressourcenverbrauch endet nicht an der eigenen Haustür. Denn zum einen müssen eine Vielzahl von Rechner und Server weltweit für das Streamen betrieben werden, die Energie und Rohstoffe verbrauchen, und zudem zeigt sich sehr deutlich der Reboundeffekt: Die Streamingzahlen gehen rapide nach oben, es kommt zu einer Übernutzung, weshalb – unter anderem – der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) von einer »Brandbeschleunigung« spricht, wenn die Digitalisierung unreguliert in dem bisherigen Tempo vorangetrieben wird. Für den »stern« habe ich über den Zusammenhang zwischen Digitalisierung und nachhaltiger Entwicklung geschrieben und unter anderem mit den Wissenschaftlern Tilman Santarius und Felix Sühlmann-Faul gesprochen und ein Rechenzentrum in Frankfurt am Main besucht, das gar nicht so schnell expandieren kann wie es angesichts der Nachfrage nach Rechenleistung eigentlich müsste.


Wie lässt sich die Umwelt effektiver schützen? Die britische Juristin Polly Higgins hatte auf diese Frage eine radikale Antwort. Sie wollte den Tatbestand des »Ökozids« in das internationale Recht einführen, vergleichbar mit dem Genozid, dem Völkermord. Bislang können Unternehmen durch ihr Handeln das Klima, die Flüsse, die Meere oder Wälder verschmutzen, ohne dass sie angemessen zur Rechenschaft gezogen werden. Vor allem sollten die dahinter stehenden Unternehmer*innen, Manager*innen und Mitarbeiter*innen persönlich haftbar gemacht werden können, das ist bislang nicht möglich. Für ihr Anliegen kämpfte Higgins unablässig, so zum Beispiel an einem Tag in Berlin, als ich sie zum Deutschen Bundestag begleitete und sie so gut wie keinen vorfand, der mit ihr sprechen wollte. Das Porträt »Im Namen der Erde« ist in »enorm« erschienen. Polly Higgins starb im April 2019, ihre Idee lebt weiter.


Soziale Arbeit ist häufig unterfinanziert und für Investoren in der Regel keine Option, da sie keine Chancen haben, ihr Geld wiederzubekommen, von einer Rendite ganz zu schweigen. In Großbritannien wurde deshalb das Instrument des »Social Impact Bonds« erfunden. Die Idee: Private Geldgeber bezahlen soziale Arbeit und erhalten, sofern sie gemessen an vorab festgelegten Kriterien erfolgreich snd, eine Rendite. Diese speist sich aus Steuergeldern des Staates, denn: Die Annahme ist, dass die privaten Unternehmen und Institutionen soziale Probleme effektiver beheben können und kostengünstiger arbeiten, sodass es den Steuerzahler unterm Strich weniger kostet. Was in England und Amerika in zahlreichen Projekten erprobt wurde, kam auch in Augsburg zur Anwendung, als erster »Sozialer Wirkungskredit« Kontintenaleuropas. Ich habe mir das vor Ort angeschaut und alle beteiligten Parteien zu den Vorteilen des Modells und der Kritik befragt. Die Reportage »Wirkt’s?« ist in »enorm« erschienen.


Nicht geschrieben, sondern gesprochen habe ich beim »Deutschen CSR-Kommunikationskongress«. In meiner Keynote »Die Tugenden der CSR-Kommunikation« habe ich aus verschiedenen Besuchen bei und Beobachtungen in Unternehmen Empfehlungen abgeleitet, wie CSR-Verantwortliche Themen und Zielkonflikte der Nachhaltigkeit in- und außerhalb ihrer Organisation kommunizieren können. Hier kann man den Nachdruck der Rede in der Vierteljahrszeitschrift des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik (DNWE) nachlesen. Ich habe den Vortrag 2015 gehalten. Ich behaupte, dass vieles darin immer noch aktuell ist.