Tech for Good (1): Rainforest Connection

Topher White, Gründer von Rainforest Connection

Wenn in Regenwäldern Bäume illegal gefällt werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das keiner mitbekommt. Erst Tage, vielleicht sogar erst Wochen später sehen die Einwohner das Ergebnis – und können nicht mehr eingreifen. Topher White, kalifornischer Ingenieur und Gründer der Organisation Rainforest Connection, ändert das.

Er hat einen Bausatz entwickelt, für den er nicht viel mehr als ein ausrangiertes Smartphone, ein paar Solarpanele, Kabel, ein empfindliches Mikrofon, eine App und eine Box braucht, die er im 3D-Druck anfertigt. Alles zusammengesetzt ergibt das eine Wanze für den guten Zweck, die er in Baumkronen in Dutzenden Metern Höhe nagelt, unsichtbar für die Baumfäller am Boden. Wenn sie allerdings ihre Motorsägen anschmeißen, nimmt das Mikrofon hoch oben das Signal auf und überträgt es über das Telefonnetz an die nächsten Bewohner. Die sich dann wiederum zu Fuß oder per Moped auf den Weg machen können, um die Rodung zu stoppen.

Auf die Idee gekommen ist White, als er als Freiwilliger in Indonesien in einem Gibbon-Reservat arbeitete und mitbekam, wie die Mitarbeiter verzweifelt versuchten, die Rodungen um sie herum zu stoppen. Chancen hatten sie keine, da die Wälder zu groß und unübersichtlich sind und es zu wenig Ranger gibt, die das Einhalten der Gesetze – sofern es welche gibt – konsequent überwachen könnten. Zurück in seiner Heimat machte er sich 2014 daran, dem Wald digitale Ohren zu geben. Denn eines fiel ihm während seiner Arbeit auf: An Straßen und anderer Infrastruktur fehlte es zwar in dem Regenwald. Das Handynetz aber funktionierte überall tadellos.

Das macht er sich zu nutze. Die Geräte, die er aufhängt, können Geräusche aufnehmen, die ihren Ursprung bis zu einer Meile entfernt haben. Die von White programmierte App filtert mit Hilfe Künstlicher Intelligenz alle für einen Regenwald typischen Sounds heraus und leitet das weiter, was »nicht in den Wald gehört«, wie er sagt. Was nicht immer einfach ist: Lange war es schwer, Mücken von Kettensägen zu unterscheiden – über die Mikrofone klangen sie zu ähnlich, was zu falschen Alarmen führte. Die exakte Location, woher die fremden Laute stammen, wird den empfangenden Einwohnern anschließend auf einer Karte dargestellt, sodass sie präzise wissen, wohin sie fahren müssen.

Um seine Idee möglichst vielen Regenwaldbewohnern anzubieten, hat White mit Google 2018 eine Schülerinitiative gestartet. Die Kinder und Jugendlichen fertigen die Bausätze selbst an und nehmen über Messenger-Dienste Kontakt zu Indigenen auf, um mehr über ihre Lebenssituation zu erfahren und die Geräte anschließend an sie zu schicken – in diesem Film bekommt man einen Eindruck der Arbeit.

Akustisch teilhaben kann übrigens auch jeder Besitzer eines Smartphones. Topher White und seine gemeinnützige Organisation Rainforest Connection haben die App entwickelt, mit der man sich in den Livestream der aufgehängten Geräte klicken kann. Ob Costa Rica, Peru, Ecuador, Brasilien, Südafrika, Indonesien – in einer Vielzahl von Wäldern haben weggeworfene Smartphones einzwischen in nützliches, wertvolles Zweitleben bekommen.


Dieser Blogpost ist Teil einer Serie, in der ich Ideen, Gründer, Initiativen und Unternehmen vorstelle, die versuchen, mit digitalen Technologien den Klimawandel aufzuhalten und die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Mehr zu den Hintergründen habe ich auf dieser Seite aufgeschrieben.

 

Schreibe einen Kommentar