Tech for Good (2): Tape Stories

»Smart Speaker« sind vergleichsweise neu und die Skepsis gegenüber der Technologie – wird man abgehört oder nicht? – ist vor allem in Deutschland noch recht groß. Die Tierrechtsorganisation Peta hat sich trotzdem entschieden, darauf zu setzen, um mehr Menschen dafür zu sensibilisieren, sich im besten Fall vegan zu ernähren und etwa auf Lederschuhe zu verzichten.

Das Ergebnis ist ein neuer »Skill« für Amazons Lautsprecher »Echo«. Wer ihn aktiviert, startet ein 90-minütiges Hörspiel, in dessen Verlauf die Zuhörer immer wieder aufgefordert werden, einzugreifen. Konkret: Die Protagonisten der Geschichte durchleben einen Krimi. Sie sind in einer Art Fabrik gefangen, müssen sich jetzt befreien und bitten die Spieler an den Empfangsgeräten um Mithilfe. Diese muss reingerufen werden, sodass der Fall letztlich gelöst werden kann. Bis zu 1200 Dialoge sind nach eigener Angabe in dem Spiel möglich, bei dem man verschiedene Optionen hat – am Ende aber immer wieder ein vorgezeichnetes Ziel erreicht.

Dieses Teaser-Video zeigt, wie das geht: Ein Mann hört sich die Geschichte im Badezimmer, beim Anziehen und Essen an, fiebert mit und gibt zwischendurch immer wieder Anweisungen. »Interaktiv« und »immersiv« soll das Hörspiel sein, sagt Peta, das war das Ziel. Man soll sich in die Lage von Tieren hineinversetzen können, um ihr Leid nachzuempfinden. Und um dann sein Handeln zu verändern.

 

 

Tierschutz ist bislang vor allem ein Frauenthema. Auch deshalb hat Peta diesen Weg eingeschlagen. Die Organisation will so mehr Männer und auch mehr Techies erreichen, die sich mit vegetarischer und rein pflanzlicher Ernährung bislang noch weniger auseinandersetzen. Dass sie gleich danach ihren Ernährungsplan umstellen, glaubt man nicht – erreicht werden soll aber eine Beschäftigung mit den alternativen Optionen zum Fleischkonsum. Um eine breitere Basis zu erreichen, verschwieg die NGO zum Launch im Herbst 2019, dass sie Absender der Kampagne ist, erst ein paar Monate später, auf der Social Media Week Hamburg, erklärte sie, wer und was hinter »Tape Stories«, wie sie das Format nennt, steckt. Das aufklärerische Spiel sollte leiser und ohne »Moralkeule« auskommen, sagte Jan Keßler, Teamleiter Online-Marketing – was aber mit der Marke von Peta kaum übereinzubringen ist. Deshalb wählte man zunächst den – mehr oder weniger – anonymen Weg; im Impressum war der Urheber trotzdem schon nachzulesen.

Wer den Hörkrimi spielen möchte, muss übrigens keinen »Echo« besitzen. Es reicht, die Amazon-App auf seinem Smartphone zu installieren und das Spiel darüber zu aktivieren.


Dieser Blogpost ist Teil einer Serie, in der ich Ideen, Gründer, Initiativen und Unternehmen vorstelle, die versuchen, mit digitalen Technologien den Klimawandel aufzuhalten und die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Mehr zu den Hintergründen habe ich auf dieser Seite aufgeschrieben. 

 

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